Ich möchte Dir gerne Jung-Dietrich vorstellen.
Diese Bezeichnung klingt so, als ob nur “Studenten” dort sind… So ist es aber nicht!
Wir sind nämlich eine Mittelschulverbindung. Unsere Mitglieder sind männlich und mindestens 15 Jahre alt, trotzdem sind aber Mädchen und Frauen sowie natürlich Gäste herzlichst willkommen. Wir treffen uns einmal pro Woche am sogenannten “Budenabend” auf unserer “Bude”.
Wir teilen das Jahr, genauso wie in der Schule, in zwei Semester und die Sommerferien. Jedes Semester wird von einem sogenannten ChC (Chargen Cabinett) geführt. Das sind fünf “aktive”, demokratisch gewählte Mitglieder: Ein Vorstand (Senior), eine oder zwei Vertretungen des Vorstandes (Consenioren), ein Schriftführer, ein Kassier und der Ausbildner für die neu aufgenommenen Mitglieder (Fuchsmajor).
Zu Beginn eines Semesters erstellt der ChC ein Programm für die folgenden Monate. Hier gilt dann natürlich: Je besser das Programm gestaltet ist, desto lustiger und gelungener wird ein Semester. Erlaubt ist dabei alles, was nicht verboten ist. Da eine Studentenverbindung auf alten Traditionen aufbaut, sind einige fixe Veranstaltungen einzuplanen.
“Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang”
Die wichtigste Veranstaltung ist natürlich unser “Stiftungsfest”, welches nichts anderes ist, als die Geburtstagsfeier der Verbindung. Weiters sollte man die Krambambuli-Kneipe, wo wir eine Feuerzangenbowle brauen, oder die Südtrolfahrt, bei welcher wir unsere “Freundschaftsverbindung” in Bozen besuchen, nicht versäumen. Veranstaltungen im kleineren Rahmen sind deswegen aber nicht minder lustig, wie z.B. ein Luftdruckpistolenschießen oder eine Weinverkostung. Und wenn uns gar nichts einfällt, dann setzten wir uns gemütlich bei einem Bier zusammen und reden über alles mögliche (Auch wer kein Bier trinken will, wird bei uns gerne gesehen!).
Das besondere an einer Studentenverbindung ist, daß sie ihre Mitglieder über den Tod hinaus aufnimmt. Wenn man das mit so manch anderen Vereinen vergleicht, wird man merken, daß dies und mehr nur die katholische Kirche überbietet, da hier die Verbundenheit sogar über den Tot hinaus geht! Alle Studentenverbindungen standen früher der katholischen Kirche sehr nahe. Sie entwickelten sich quasi aus Studentenwohnheimen, bei denen strenge Sitten und Glaube gepflegt wurden. Im Laufe der Zeit lösten sich einige von der Kirche. Heute gibt es schlagende Verbindungen (Landsmannschaften) und katholische sowohl für Mittelschüler als auch für Hochschüler. Wie bereits zu Beginn erwähnt wurde, ist Jung-Dietrich eine katholische Mittelschulverbindung.
Studentenverbindungen wurden im Laufe ihrer Existenz öfters verboten. Von dieser Zeit stammt auch die Sitte, sich einen “Couleurnamen” (Decknamen) zuzulegen. Wenn jemand festgenommen wurde, gab man den Couleurnamen der anderen Mitglieder an, womit die Obrigkeit nichts anfangen konnte.
Zur Zeit haben wir ein Potential von über 90 “Couleur-Studenten”. Da aber leider nicht alle jung bleiben können, gibt es neben der “Aktivitas” noch die “Altherrnschaft”. Die Aktivitas teilt sich wiederum in den “Burschensalon” und den “Fuchsenstall”. Wird ein neues Mitglied aufgenommen, so wird er als “Fuchs” bezeichnet. Legt er in einem Zeitraum von ca. einem Jahr zwei Prüfungen ab, wird er in den Burschensalon aufgenommen. Der ChC wird von Burschen und der “Philister-ChC” von “Alten Herren” belegt. Der Aktiven-ChC trägt die Verantwortung und repräsentiert die Verbindung nach innen und außen. Er wird bei allfälligen Problemen vom Phil-ChC unterstützt.
Wenn Du mehr über uns erfahen möchtest, bist Du recht herzlich eingeladen! Wir sind weder bissig, noch gefährlich. Im Bereich der Juristerei, Physik, Elektrotechnik,… sowie bei persönliche Fragen können wir Dir sicher weiterhelfen.
Jung-Dietrichs Bude
“Die Bude” ist nichts anderes als eine andere Bezeichnung für ein Vereinslokal; genauer: der couleurstudentische Ausdruck für ein Verbindungslokal. Da der Mensch grundsätzlich die Gesellschaft sucht, gehen Jugendliche am Wochenende in Pubs, Kneipen, Discos, o.ä., Pensionisten suchen Wirtshäuser, Weingärten auf oder begnügen sich mit einer Tarockrunde. Der Couleurstudent hat allen anderen gegenüber einen Vorteil: Er hat zusätzlich eine “Bude”, auf der er seine Ruhe, die Gesellschaft und Bundesbrüder (Freunde) finden oder treffen kann.
Wo ist dann der Unterschied zu Wirtshäusern oder Papas Wohnzimmer?
Ganz einfach: Im Wirtshaus kennt man nicht alle Leute und ist mit ihnen schon gar nicht per “Du” und die kleine Schwester kann man nicht immer von den Teletubbies trennen, um im Wohnzimmer in Ruhe zu lernen.
Ist die Bude jetzt eine Pub? Oder eher eine Lernstube?
Sie ist ganz einfach das, was man aus ihr macht! Lade ich meine Freunde ein, wird sie zu einem “Beisl”, lade ich einen Professor von einer Universität ein, einen Vortrag zu halten, wird sie zu einem “Vorlesungssaal”, nehme ich meine Luftdruckpistole mit, dann wird sie zu einer “Schiessbude”, usw.
Wo finde ich jetzt die Jung-Dietrich Bude?
Die Pfarre Neulerchenfeld hat uns den Keller in der
Grundsteingasse 37/2 in 1160 Wien
vermietet. Solltest Du kein Mitglied der Verbindung sein, ist es ratsam, an einem Mittwoch (=Budenabend) gegen 19:30 das Verbindungslokal aufzusuchen. Wer steht schon gerne vor verschlossenen Türen?
Zu finden sind wir gar nicht so schwer! Wenn Du mit den Öffis unterwegs bist, kannst Du entweder mit der J- oder 46-Bim bis Brunnengasse oder mit der U6 bis Thaliastraße fahren. Die Bude ist dann noch heiße 1-3 Minuten entfernt!
Wenn Du die folgenden Plan anklickst, kannst Du Dir ein Bild machen von unserer Lage.
Die Prinzipien der Verbindung
Wenn man heiratet, gibt man sich das “Ja-Wort”. Mit diesem Versprechen schliessen zwei Menschen den Bund der Ehe.
“…in guten, wie in schlechten Tagen!”
Dieses Versprechen soll bis zum Tode nicht gebrochen werden. Das Interesse an einem Ruder-, Karate-, oder Fussballverein ist oft nicht von Dauer und man tritt aus dem Verein wieder aus. Bei einer Studentenverbindung wird man jedoch auf Lebenszeit aufgenommen, also bis zum Tode.
Der urstudierende Couleurstudent, also ein Mitglied, das in jugendlichem Alter aufgenommen wird, wird von seiner Verbindung in allen Lebenslagen begleitet; angefangen von der Freizeitgestaltung, eventueller Hilfe beim Lernen, bis zur Matura, der Hochzeit und letztendlich dem Begräbnis.
Ist man an einer Aufnahme interessiert, muss man die “vier Prinzipien” erfüllen und versuchen danach zu leben. Diese beinhalten
- Religio: Das Bekenntnis zum römisch katholischen Glaube
- Scientia: Das Streben nach Wissen
- Patria: Die Liebe zum Vaterland
- Amicitia: Die Lebensfreundschaft
Salopp gesprochen ist für die Aufnahme wichtig, dass man ein männlicher, österreichischer Staatsbürger röm./kath. Glaubens ist, die Matura anstrebt und gesellschaftsfreudig ist.
Betrachtet man unser Verbindungswappen erkennt man die 4 Prinzipien, dazwischen den Zirkel und Jung-Dietrichs Verbindungsfarben: grün, rot und gold. Um das Wappen herum findet sich unser Wahlspruch:
“Fest im Glauben – Treu dem Volke”
Neben der lebenslangen Freundschaft, dem gelebten Christentum, der Weiterbildung und dem Bemühen um unser Vaterland pflegt unsere Verbindung auch ganz besonders die alten studentischen Traditionen und Lieder bei vielerlei festlichen Veranstaltungen. Die Verbindung wird nach demokratischen Gesichtspunkten geleitet, jedes Vollmitglied kann bei Entscheidungen seine Meinung einbringen.